BGR registriert Mikro-Erdbeben der Stärke 1.8 nahe der GeneSys-Tiefbohrung in Hannover-Buchholz
| DATUM: | 23.05.2011 | HERDZEIT: | 10:16:00 UTC | BREITE: | 52.41 N | LÄNGE: | 9.83 E | TIEFE: | 4 km | MAGNITUDE: | 1.8 | |
Letzte Modifikation: 23. Mai 2011 10:00 MEZ
Am 23. Mai 2011 ereignete sich um 10:16 UTC (12:16 MESZ) ein Mikro-Erdbeben in
unmittelbarer Nähe der von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR)
durchgeführten GeneSys-Tiefbohrung im Nordosten Hannovers. Das Erdbeben mit Epizentrum
im Ortsteil Buchholz wurde von einigen wenigen/mehreren/einer Vielzahl/im gesamten
Stadtteil von Anwohnern (von aus dem Schlaf aufwachenden ?) gespürt. Es wurde von
klirrendem Geschirr, vibrierenden Pflanzen, schlagenden Türen berichtet und auch
akustisch von einem lauten Knall. Das seismische Ereignis steht in ursächlichem
Zusammenhang zu den momentan an der Bohrung stattfindenden Wasserverpressungen,
dem sogenannten hydraulischen Fracken. Die Verpressung wurde daraufhin sofort gestoppt.
Eigens zur Überwachung der GeneSys-Tiefbohrung wurde von der BGR schon im Vorfeld ein
Seismometernetz von 13 Stationen im Umkreis von 4 km um die Bohrung errichtet.
Das Mikro-Erdbeben von heute konnte von sämtlichen Stationen detektiert werden.
Mit den in Echtzeit übertragenden Aufzeichnungen konnten die Seismologen des
BGR-Bereitschaftsdienstes eine sofortige und genaue Lokalisierung durchführen.
Das ermittelte Hypozentrum des Bebens liegt nur wenige Hundertmeter vom Bohrlochende
entfernt in einer Tiefe von ca. 3 - 4 km. Die an den Stationen gemessenen
Bodenschwinggeschwindigkeiten liegen zwischen 1 und 3 mm/s, was bei der Tiefe und dem
Abstand der Stationen einer Richtermagnitude von ungefähr 1,8 entspricht.
Abbildung 1: Epizentrum des seismischen Ereignisses (gelber Stern) an der GeneSys-Tiefbohrung im Hannoverschen Ortsteil Buchholz. Die zur Überwachung eingesetzten seismischen Stationen sind als grüne Dreiecke markiert.
Aufgrund der Lage des Hypozentrums sowie der zeitlichen Nähe mit den momentan an der Bohrung stattfindenden massiven Verpressung von Wasser ist das seismische Ereignis kein rein tektonisches Ereignis, sondern ein sogenanntes induziertes Erdbeben. Die kontrollierte Verpressung von großen Mengen von Wasser dient der Erzeugung eines Risssystems im Umfeld der Bohrung, durch das dann später Wasser zur Wärmegewinnung zirkulieren kann. Diese sogenannte Stimulierung wird bei vielen Geothermie-Vorhaben angewandt und ist im allgemeinen von kleineren seismischen Ereignissen begleitet. Hieraus lassen sich Aussagen über das Reservoir ableiten. Von der BGR wurde ein sogenanntes Ampelsystem eingeführt, mit dem anhand der an den seismischen Stationen gemessenen Bodenschwinggeschwindigkeiten entschieden wird, inwieweit der Druck und die Fließrate bei der Wasserverpressung modifiziert wird, um weitere Ereignisse zu vermeiden. Das Reaktionsschema wurde beim aktuellen Ereignis angewandt und führte zu der sofortigen Einstellung der Verpressung.
Abbildung 2: Seismogramme an den zur Überwachung der Stimulation betriebenen seismischen Stationen.
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Haben Sie dieses Erdbeben verspürt? Bitte tragen Sie Ihre Beobachtungen in das Formular,
das Sie unter dem folgenden Link erreichen können, ein. Es handelt sich um ein
internationales Beobachtungszentrum, dessen gesammelte Daten vom Erdbebendienst der BGR
ausgewertet werden.
Fragebogen zur Eintragung von Erdbebenbeobachtungen |
Ansprechpartner: Lars Ceranna, Tel. 0511-643-2552, E-Mail: seisinfo@bgr.de
